Von Drachen und Elfen – eine vegane Exegese

oder – Wie sich mein Lese-Erlebnis veränderte

Seit ich vegan lebe stolpere ich in meinem Medien-Konsum immer wieder über Widersprüche. Da verheddern sich Autoren in ihrem karnistischem Weltbild und, das liegt in der Natur der Sache, merken es selbst nicht mal.

Harry Potter und der Stein des Anstoßes

Harry Potter vegan

Letztens blätterte ich in Harry Potter und da sprang es mir entgegen. Hagrid der gutmütige und großherzige „Wildhüter“ der Schule Hogwards liebt Tiere und eigentlich alle nicht-menschlichen magischen Wesen. Drachen haben es ihm besonders angetan. Er geht sogar so weit illegal ein Drachenei auszubrüten und das kleine frischgeschlüpfte Monster Norbert zu nennen und voller Liebe und Hingabe aufzuziehen. Trotzdem, wenn es in seinem Unterricht über magische Wesen gefährlich zugeht ist Schutzkleidung, insbesondere Handschuhe angesagt. Und woraus bestehen die? Natürlich Drachenleder!

Eragon –der flexitarische Drachenreiter

Ein anderes Beispiel gibt es in der wohl weniger bekannten Jugend-Fantasie-Reihe Eragon – der Drachenreiter. Die Elfen bei Eragon sind, wie es sich für Elfen gehört, edle Wesen deren Leben von Magie durchwoben ist. Außerdem sind sie explizit Vegetarier. Es wird sogar erwähnt, dass der aus weißen Schwanenfedern bestehende Mantel der Elfenkönigin Islanzadi entstanden ist, indem Schwäne durch magischen Gesang ihre Federn freiwillig gegeben haben. Doch als die kriegerische Elfe Arya (Eragons Love-Interest) beschrieben wird trägt sie Kleidung aus, was wohl? – Leder.

Eragon selbst, der von den Elfen ausgebildet wird, hat mit dem Vegetarismus übrigens so seine Schwierigkeiten und kommt im Laufe der Bücher zu dem Schluss, dass er das Ganze nicht so streng sehen wird wie die Elfen. Es sei ja auch egoistisch und unhöflich Fleisch abzulehnen, wenn er beispielsweise bei den Zwergen zu Gast sei. Überhaupt, Dinge zu extrem zu sehen sei ja niemals gut. Kommt das irgendjemandem bekannt vor?

Eragon  vegan

Und die Moral von der Geschichte ?

Mein verändertes Lese-Erlebnis ist eine schöne Parabel für die Funktionsweise von Karnismus. Es fehlt von Seiten der Autoren und der Leser ein Bewusstsein für das „Tier“ in Produkten. Selbst wenn versucht wird einen Charakter zu entwickeln der explizit tierlieb, bzw. im weitesten Sinne nicht-menschliche-Wesen-lieb ist, schleichen sich eindeutig tierausbeuterische Produkte in die Geschichte. Die Benutzung von Tieren ist so tief verwurzelt und geschieht so unbewusst, dass das dem „Normal“-leser und -esser nicht auffällt.

Es ist nicht überraschend, dass die Autoren ihr karnistische Weltbild unreflektiert und unbewusst in ihre Arbeit übernehmen. Mir stellt sich jedoch die Frage, wie mir selbst diese Widersprüche vorher nicht aufgefallen sind. Darin liegt vielleicht auch die Hoffnung im Konzept Karnismus: Wenn die unsichtbare Wand, die unser Bewusstsein von der willkürlichen Trennung von „Nutz“tieren und „Kuschel“tieren schützt, erstmal zu bröckeln beginnt, springt einem danach die offenkundige Diskrepanz aus geradezu jeder Ecke des Lebens entgegen.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

watercolor and ink dragon singing you're gonna hear me roar

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