Cowspiracy Dokumentation– Nachhaltigkeit in der Viehwirtschaft

Cowspiracy Nachhaltigkeit in der Viehwirtschaft

Ich habe die Tage den Trailer zu der neuen Dokumentation Cowspiracy gesehen, ein Film der auf die enormen Umweltbelastungen und Ressourcenverschwendungen bei der Viehwirtschaft im Allgemeinen und bei Rinder-Nutzung im Speziellen aufmerksam macht. Außerdem beleuchtet er die Haltung der Naturschutzverbände gegenüber diesem Problem.

Die Doku ist natürlich US-zentrisch und, soweit ich das dem Trailer entnehmen kann, für meinen Geschmack auch zu effekthascherisch und verschwörungstheoretisch. Aber sie stellt doch eine sehr interessante Frage auf: Wenn Naturschutzverbände (wie bei uns Nabu, BUND oder greenpeace) von Mitglieder-Beiträgen getragen werden, verschweigen diese dann vorsätzlich Informationen um ihre Mitglieder nicht abzuschrecken? Wenn Organisationen wie die UN Berichte veröffentlichen, die verdeutlichen, dass Viehwirtschaft DIE Hauptursache für Biodiversitätsverlust und menschengemachter Klimawandel ist, warum ist ein Appel für weniger Konsum von tierischen Produkten nicht mindestens ein Teilaspekt der Kampagnen einschlägiger Umweltverbände?

Seit ich vegan lebe muss ich immer wieder schwer schlucken, wenn praktisch alle (Umwelt-) Probleme dieser Welt mit „ ein bisschen weniger Fleisch essen und überhaupt Bio und zurück zur bäuerlichen Landwirtschaft“ gelöst werden.

Cow pattern

Nachhaltigkeit als Heilsversprechen der ökologischen Landwirtschaft

Naturschutzverbände (und Bündnis 90 Die Grünen) werben für eine Rückkehr zur ökologischen, bäuerlichen Landwirtschaft. Die lässt sich ungefähr so zusammenfassen: Die Tiere bekommen lokal oder regional (ohne Pestizide) angebautes Futter, im Gegenzug wird der Mist genutzt um die Felder ohne Kunstdünger fruchtbar zu halten. Die Stoffkreisläufe sind geschlossen, die Umweltschäden minimiert, und es gibt regional eine soziale und wirtschaftliche Wertschöpfung. Häufig werden bei diesen Beschreibungen idyllische Verhältnisse umrissen, bei der der Landwirt endlich wieder im Einklang mit der Natur steht. Immer wieder trifft man auf Schilderungen der „Natürlichkeit“ der ökologisch-bäuerlichen Landwirtschaft, als Gegenpool zur Unnatürlichkeit der industriellen Lebensmittelproduktion. So verwendet der NABU beispielsweise den Begriff „Naturwirtschaft“.

Erstens ist und bleibt aber die Bewirtschaftung von Boden und die Aufzucht von Tieren ein kulturelles, kein natürliches Phänomen und Kultur kann man ja ändern.

Zweitens wird bei all der Konzentration auf die Stoffkreisläufe ignoriert, dass auch der makelloseste geschlossene Stoffkreislauf  nicht über den Energieverlust bei der tierischen Produktion hinwegtäuschen kann. Am Ende des Tages läuft es immer wieder darauf hinaus, dass man eine Menge pflanzliche Nahrung (, die auch direkt von Menschen verzehrt werden könnte) in ein Tier reinstecken muss, um ein bisschen Fleisch rauszubekommen (geschweige denn Milch).

Nach dieser Logik ist die einzige als nachhaltig zu bezeichnende Nutztierhaltung eine Ganzjahres-Weidewirtschaft. Wenn die Tiere (meist Rinder) das ganze Jahr auf der Weide stehen und keine Zufütterung stattfindet, dann geht auch kein potenziell für Menschen essbares Futter verloren.

Diese Betriebe schneiden bei herkömmlichen Bewertungssystemen für Nachhaltigkeit auch besser ab. Dies liegt aber vor allem daran, dass sie deutlich weniger Tierbestand pro Hektar aufweisen und damit auch weniger Umweltauswirkungen (wie Stickstoff-Immissionen) pro Hektar haben (Halberg et al. 2005). Der Flächenverbrauch für so eine nachhaltigere Viehwirtschaft ist also enorm.

Hier eine schnell ergoogelte Proberechnung

In Deutschland gibt es 16,7 Millionen Hektar (1 ha (Hektar) = 10.000 m²; 1 km² = 100 ha) land­wirt­schaft­lich genutzte Fläche (Zahlen für 2013 vom Statistischen Bundesamt). Im Jahr 2012 wurden auf circa 6,5 Millionen Hektar Getreide (nur Körnergewinnung, ohne Biogas; ohne Futtermittel), auf 132.000Hektar Gemüse und auf 647.300 Hektar Häckfrüchte (Kartoffel, Rüben) angebaut. Das sind insgesamt circa 7,3 Millionen Hektar, die man von den 16,7 Mio Hektar abziehen muss, bleiben noch ungefähr 9 Millionen Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche übrig.

Die Bioland-Richtlinien erlauben 2 Rinder pro Hektar.

Wenn man jetzt also ganz vereinfacht und mal so im Kopf die landwirtschaftliche Nutzfläche (minus Gemüse, Getreide, etc.) in Weide (Dauergrünland) umwandelt hat man ein super theoretisches Potenzial von ca. 18 Millionen Rindern in Biolandhaltung in Deutschland. Das hört sich erstmal nach ner Menge an.

Im Jahr 2014 gab es 12,7 Millionen Rinder in Deutschland.

Das sind dann allerdings NUR Rinder, denn alle anderen Nutztiere sind ja wegen der Zufütterung erst recht nicht nachhaltig.

Und wenn man dann den Gemüse und Getreideanbau auch auf ökologische Landwirtschaft umstellt, braucht man dafür auch mehr Fläche, da dort der Ertrag pro Fläche geringer ist.

Hier seht worauf ich hinaus möchte: Alles irgendwie Verschwendung. Verschwendung von Wasser. Verschwendung von Fläche. Verschwendung von Leben.

Nachhaltigkeit in der VIehwirtschaf

Ich möchte nicht unterschlagen, dass der positive Effekt für die Umwelt enorm wäre, wenn alle Betriebe sich an diese ökologische und „nachhaltigere“ Anbaumethode halten würden. Wenn beispielsweise weniger Stickstoff über Gülle ins Grundwasser sickert, man nicht mehr auf Eiweißfutter-Importe angewiesen ist und der Konsum tierischer Produkte insgesamt bedeutend gesunken ist, sind viele Umweltbelastungen stark verringert.

Aber wir leben in einer Welt mit immer knapper werdenden natürlichen Ressourcen, in der man sich folgerichtig der Nachhaltigkeit und damit der Lebenssicherung zukünftiger Generationen verschrieben hat. Weshalb unter diesen Umständen so stark auf eine möglichst nachhaltige Ausrichtung der Viehwirtschaft hingearbeitet wird, anstatt auf eine möglichst nachhaltige Versorgung der Bevölkerung, verwundert mich immer wieder.

Zwei Seelen wohnen in meiner Brust

Ich fühle mich immer als würde ich zwischen zwei Stühlen sitzen. Argumentiere ich jetzt ethisch: Wir haben kein Recht Tiere zu Nutztieren zu machen und Bedarf (gesundheitlichen) haben wir auch nicht. Basta. Ende der Diskussion.

Oder argumentiere ich ökologisch mit Blick auf die natürliche Ressourcen: Würden wir Viehwirtschaft so extensiv wie möglich ausüben, fehlt Fläche und die produzierte Menge Fleisch und Milch pro Person ist winzig klein.

Natürlich muss ich zugeben, dass ich selbst erst Veganerin werden musste, um anzufangen diese Alternativlosigkeit der Nutztierhaltung zu hinterfragen. Doch jetzt ist es mir klarer denn je zuvor. Um es mit dem Worten von James McWilliams auszudrücken: Es kommt nicht darauf an wie wir Nutztierhaltung betreiben, sondern ob wir es überhaupt tun!

Kuh james McWilliams